Das heutige Behindertenforum wurde 1953 als AKI, Arbeitsgemeinschaft der Kranken- und Invalidenselbsthilfe, gegründet. Die Aktivitäten des Vereins in den letzten Jahrzehnten widerspiegeln die Geschichte der Sozialpolitik und der Behindertenbewegung. Viele Initiativen zur sozialen und rechtlichen Besserstellung behinderter Menschen sind von der damaligen AKI ausgegangen oder unterstützt worden.
1953 ist die "Arbeitsgemeinschaft der Kranken- und Invalidenselbsthilfeorganisationen Basel-Stadt und Baselland (AKI)" aus dem 1950 gegründeten "Studienzirkel für soziale Fragen" hervorgegangen. Die IVB (Invalidenvereinigung beider Basel), das Band, die Sektion Basel des Schweizerischen Blindenverbandes sowie die Basler Sektion des Schweizerischen Bundes der Militärpatienten waren die vier gründenden Mitgliedorganisationen.
Die anfänglichen Bestrebungen der AKI zielten in erster Linie auf die finanzielle und soziale Sicherheit der von einer Behinderung betroffenen Menschen ab. Die Mühen sollten sich lohnen: 1956 wurde die Kantonale Invalidenhilfe Basel-Stadt eingerichtet – vier Jahre vor der Einführung der Eidgenössischen Invalidenversicherung.
Der Invalidensport sowie dessen Finanzierung war der nächste Impuls, der von der AKI ausging. Mussten zuerst noch die Behinderten selbst für ihre sportlichen Aktivitäten aufkommen, konnten in der Folge das Sporttoto und die Invalidenhilfe für deren Finanzierung hinzugezogen werden. Die Gründung des Basler Invalidensportvereins war eine logische Konsequenz und ein Kind der AKI.
In den Sechziger-, aber auch noch in den Siebzigerjahren waren die Invalidenwohnungen ein zentrales Anliegen der Betroffenen und Thema der Selbsthilfe. Behinderte Menschen hatten je nach Art oder Schwere ihrer Behinderung kaum Möglichkeiten, geeignete, d.h. an die Behinderung angepasste Wohnungen zu finden, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht hätten. In einer Umfrage, die die AKI durchführte, meldeten sich über hundert Behinderte, die sich eine günstige, dem Budget entsprechende Invalidenwohnung wünschten. Die Baugenossenschaftspläne dieser Jahre fielen allerdings den Teuerungsschüben zum Opfer. An der Reinacherstrasse konnten schliesslich doch noch Wohnungen errichtet werden. Der Staat als Bauherr und als Gesetzgeber sowie die Architektur im Allgemeinen entschärfte mit der Zeit das akute Problem ein wenig, behob es jedoch noch bei weitem nicht.
Das Augenmerk der AKI richtete sich danach verstärkt auf den öffentlichen Raum: Trottoirabsenkunken und angepasste Abfahrten bei Unterführungen sowie die allgemeine Zugänglichkeit öffentlicher Bauten rückten durch verschiedene Aktionen und Vorstösse ins Zentrum und zum Teil auch in das Bewusstsein der nicht behinderten Entscheidungsträger und Bauherrschaften: Im Raum Basel war dies der Anfang des hindernisfreien Bauens.
Mit zunehmendem Freizeitangeboten und steigenden Mobilitätsbedürfnissen veränderten sich auch die Anliegen der behinderten Menschen, gemeinsam mit der übrigen Gesellschaft. Das rollstuhlgängige neue Theater sollte genau so selbstverständlich sein wie der rollstuhlgängige öffentliche Verkehr. Die AKI machte auf die Begrenzungen und die daraus resultierenden Benachteiligungen aufmerksam und erzielte immer wieder Erfolge. In den Neunzigerjahren lancierte sie die Volksinitiative für behinderten- und betagtengerechtes Bauen und öffentlicher Verkehr.
Einsamkeit und mangelnde Integration werden für behinderte Menschen zwangsläufig bestimmender, wenn die existenziellen und alltagsbestimmenden Benachteiligungen gemildert werden können. Die AKI Region Basel lancierte einen Ausweis sowie eine Informationsschrift zu Rabatten und Vergünstigungen für behinderte Menschen . Die Rabatt- und Vergünstigungsliste (heute "handicapplus") wurde über die Jahrzehnte erweitert und immer wieder neu aufgelegt. Es wurden Zolli- und Museumsbesuche angeboten und während über zwanzig Jahren die beliebten Schiffsausflüge -reisen auf dem Rhein. Der AKI-Abendverkauf, der seit 35 Jahren in einem Basler Warenhaus den Behinderten ein ungestörtes vorweihnachtliches Einkaufen ermöglicht, ist ein weiteres Beispiel für das Vereins-Engagement im sozialen Bereich.
In den Achziger- und Neunzigerjahren verlagerten sich die sozialpolitischen Bestrebungen. Die AKI wurde immer stärker in die parlamentarische und behördliche Zusammenarbeit eingebunden. Kommissionsarbeit, Vernehmlassungen und Stellungnahmen gehören seither zum Alltag des Vereins und der Geschäftsstelle. Der Rechtsdienst für behinderte Menschen, der seit 1987 kontinuierlich ausgebaut werden musste, hilft seit Jahren vielen von Krankheit, Unfall und Invalidität Betroffenen unentgeltlich in oft unerträglichen oder auswegslosen Lebenssituationen, diese zu verbessern und dadurch zu meistern. Seit Mitte der Neunzigerjahre erscheint das "HandicapForum" als regionale Zeitschrift der Behinderten-Selbsthilfe. Mit einer stets aktualisierten Website wurde das Informationsangebot der AKI schliesslich vervollständigt.
Zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2003 hat sich die AKI einen neuen Namen gegeben: Behindertenforum. Mit dem Wortteil "invalid" (wörtlich: ungültig/unwert) mochte sich niemand mehr identifizieren. Behindertenforum ist nicht nur ein positiver Begriff, es bringt auch ein zentrales Anliegen der Dachorganisation auf den Punkt: behinderte Menschen ein Forum zu bieten, ein Ort der Begegnung, des Austauschs, der Diskussion und Verhandlung. Hier gibt es neue Impulse, hier entsteht Zusammenarbeit. Das Behindertenforum vereinigt mittlerweile sechzehn Selbsthilfeorganisationen und vernetzt sich mit allen Institutionen, die ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen fördern und unterstützen.
Das Behindertenforum hat über all die Jahre seit seinen Anfängen unter dem Namen AKI Wandlungsfähigkeit und Effizienz bewiesen. Im neuen Jahrtausend hat es diese Eigenschaften einmal mehr unter Beweis gestellt und seine Organisationsstrukturen professionalisiert, um unter den Anforderungen der heutigen Zeit bestehen zu können.
Auch in Zukunft werden die anstehenden Probleme angepackt. Denn es ist noch lange nicht so weit, dass behinderte Menschen keine Benachteiligungen mehr zu gewärtigen hätten. Es wird neben der sozialpolitischen Arbeit das öffentliche Bewusstsein geschärft werden müssen, um die allgemeine Öffentlichkeit für die Bedürfnisse der behinderten Menschen zu sensibilisieren, damit vielleicht in weiteren 50 Jahren nicht mehr gegen Ausgrenzungen in Schule, Ausbildung und Arbeitsleben gekämpft werden muss und die Integration Behinderter eine Selbstverständlichkeit ist.